Übergewicht ist nicht gleich Übergewicht

Warum Männer und Frauen unterschiedliche Gesundheitsrisiken haben

Dass Übergewicht ein Gesundheitsrisiko darstellt, ist allgemein bekannt. Doch neue Forschungsergebnisse der Dokuz Eylül Universität in der Türkei deuten darauf hin, dass wir das Thema differenzierter betrachten müssen: Fettleibigkeit (Adipositas) wirkt sich bei Männern und Frauen auf überraschend unterschiedliche Weise aus. Diese Erkenntnis könnte die Art und Weise, wie wir Adipositas in Zukunft behandeln, grundlegend verändern.

Die verborgenen Unterschiede

Die auf dem *European Congress on Obesity* vorgestellte Studie untersuchte, wie Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-System und Entzündungswerte bei Männern und Frauen mit Adipositas variieren. Dabei zeigten sich deutliche geschlechtsspezifische Muster:

Bei Männern:

Hier steht die Speicherung von viszeralem Bauchfett im Vordergrund. Dieses Fettgewebe, das die inneren Organe umschließt, gilt als besonders riskant für Herz- und Stoffwechselerkrankungen. Zudem wiesen die männlichen Studienteilnehmer häufiger Anzeichen für Leberstress auf (höhere Leberenzymwerte) sowie erhöhte Triglyceridwerte.

Bei Frauen:

Das Risikoprofil sieht hier anders aus. Frauen zeigten im Durchschnitt höhere Cholesterinwerte (sowohl Gesamt- als auch LDL-Cholesterin) sowie stärkere Anzeichen für eine systemische Entzündungsreaktion im Körper (gemessen an Markern wie C-reaktivem Protein). Diese Faktoren erhöhen insbesondere das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes.

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Warum ist das wichtig?

Die Studienautoren, unter der Leitung von Dr. Zeynep Pekel, betonen, dass diese Unterschiede wahrscheinlich auf ein Zusammenspiel aus Hormonen (wie Östrogen), der Art der Fettverteilung und der Immunantwort zurückzuführen sind.
Bisher wurde Adipositas oft als ein einheitliches Krankheitsbild behandelt. Die neuen Daten unterstreichen jedoch, wie wichtig es ist, in der medizinischen Forschung und Praxis **geschlechtsspezifische Ansätze** zu verfolgen. Wenn wir verstehen, welche biologischen Prozesse bei wem dominieren, können Ärzte in Zukunft maßgeschneiderte Therapien entwickeln, die deutlich effektiver auf die individuellen Bedürfnisse von Patienten zugeschnitten sind.

Ein Blick in die Zukunft

Obwohl die aktuelle Studie mit rund 1.100 Teilnehmern wichtige Hinweise liefert, weisen die Forscher darauf hin, dass dies erst der Anfang ist. Da es sich um eine Querschnittsstudie handelt, sind weitere, groß angelegte Untersuchungen notwendig, um diese Ergebnisse zu bestätigen und die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen noch besser zu verstehen.
Dennoch ist die Botschaft klar: Die Behandlung von Übergewicht erfordert keinen „Einheitsbrei“, sondern einen präzisen, individuellen Blick auf den jeweiligen Patienten – denn die „versteckten“ Gefahren der Adipositas tragen oft ein anderes Geschlecht.

Quelle: European Association for the Study of Obesity. „Men and women with obesity face very different hidden health risks.“ ScienceDaily, 13. April 2026

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